Ach ja, die Zeit vergeht. Sie tickt. Immer tickt sie. Manchmal hört man sie aus der Ferne leise sekündlich den Tack angeben und manchmal ist sie gar so laut, als würden die riesigen Zeiger der Lebensuhr direkt neben dem eigenen Ohr umschlagen. So war es in letzter Zeit. Der Stress, der ja auch positiv sein kann, hatte mich gefangen gehalten.
Nun konnte ich mich befreien – ihm entfliehen um hier und dort mal wieder eine Textzeile zu verfassen oder den einzelnen Tropfen beim Herunterfallen Namen zu geben. Allgemein sind dies aber eher Namen wie Heinz-Detlef, Brunhilde, Hans-Peter-Anton und Dörrte. Namen die mir persönlich nicht gefallen ebenso wie dieses Nass vor der Türe was einen zu erdrücken versucht. Wie lange der Regen noch anhält ist ungewiss. Die letzten Wochen waren jedenfalls unschöner, als es unschön überhaupt sein könnte.
Wo bleibt die Sonne, die wenn sie mich morgens anlächelt einen ganzen Tag glücklich machen kann. Ich an diesen Tagen die Stadt liebe wie eh und je – auf dem Gehweg nicht mehr träge und öde herumlaufe sondern vielmehr voller Genuss und Frische in der Nase von einem Pflasterstein zum nächsten springe. Aber irgendwie flüstert mir jemand ins Ohr, dass der Sommer ins Wasser fällt. Ich mag es nicht glauben und hoffe, dass er sich noch ans Ufer retten kann um nicht ganz zu ertrinken – dies wäre fatal. Was wäre ein Leben ohne den Sommer? Man munkelt, es wäre nicht lebenswert und kalt. Ob es nun wirklich so ist kann man dieses Jahr wohl schon einmal testen – ein Probeabo also für ein Leben ohne Sommer bzw. ohne die Eigenschaften des Sommers.
Aber das Leben hat ja auch noch viel mehr zu bieten und auch die Stadt. Die werde ich mir nämlich die nächsten Wochen noch einmal genau ansehen müssen. Man weiß ja nie, wie lange man noch an diesem Ort verweilt, der sekündlich in die Vergangenheit rückt. Ich höre es ticken. Ganz laut, neben mir. Als würden die Zeiger der Lebensuhr direkt an meinem Ohr umschlagen.
Verfasst am 21. Mai 2010 um 21:54, abgelegt in Leben.
Tags: kalt, Leben, nass, Regen, Sommer, Uhr, Umzug

PatriXone schrieb:
Sehr schön geschrieben und vor allem so zutreffend. Gerade scheint zwar die Sonne, aber der Norden Deutschland friert weiter fleißig im Regen bei winterlichen 4°C.