Wo bin ich eigentlich daheim? Hier oder dort? Dort oder da? Da oder anderswo? Anderswo oder hier?
Mich hat es fast ein wenig erschrocken, als ich mir mal wieder dachte: Nein, hier bist du nicht mehr lange. Hier haltest du es nicht mehr lange aus. Das ist nicht dein Zuhause. Es war dein Zuhause. Es war.
Natürlich, Familie ist wichtig. Man braucht sie. Sie gibt einen Kraft, Ratschläge und Liebe. Aber doch bitte keine 24 Stunden sieben Tage in der Woche. Ok, so lange ist es gar nicht – bin zu selten daheim, für so viel Zeit. Aber dazu muss man erwähnen, dass mir die 3 Stunden vier Tage in der Woche auch schon genügen. Die Zeit ändert sich. Die Erde dreht sich weiter. Auch ich muss weiter und mich ändern.
Es sind die Kleinigkeiten, die einen stören. Kleinigkeiten, die zu riesigen Mostern anwachsen. Die Art, die Einstellung, von alle dem braucht man nach so vielen Jahren ein wenig Abstand. Dazu muss man los lassen können. Beide Seiten müssen das. Auch wenn das für eine Seite schwerer ist als für die andere. Es geht. Es wird gut gehen. Man gewöhnt sich an alles.
Bin hier, bin dort. Wo bin ich zu Hause? Wo fühle ich mich wohl? Zum Schlafen komme ich vorbei, ist es deswegen schon gleich ein Zuhause? Meine Gedanken sind schon längst nicht mehr hier. Sie sind weiter gezogen. Weg von hier. Von dem Hier, in dem ich mich nicht mehr wirklich wohl fühle, das sich nicht mehr nach einem Zuhause anfühlt. Das Hier ist ein Ort geworden. Ein Ort der einfach existiert, durch den man hindurchfahrt ohne ihn weiter zu beachten. Er hat keinen lustigen Namen, er ist nicht besonders. Wo sind all diese tollen Menschen, die sich auf Straßen und in den Parks tummeln? Es ist einfach nicht meine Welt, die spielt sich woanders ab. Aber ganz sicher nicht hier. Ich brauche Bewegung um mich. Leben. Es gibt keine Beziehung mehr zu dem Hier. Die Frage ist auch was hält mich und die Antwort ist ganz klar: Nichts. Familie kann man besuchen, dass sollte reichen. Die Gedanken sind auch gar nicht weit weg. Nur ein paar wenige Kilometer. Und genau diese Kilometer würde ich am Liebsten sofort auf mich nehmen um wieder komplett zu sein, mich als ganzer Mensch zu fühlen. Glücklich zu sein.
Es ruft mich die Veränderung. Der Durchbruch. Ich muss raus. Raus aus diesen engen Räumen, wo ich mich so unter Beobachtung fühle. Es wäre übertrieben, wenn ich es als schlimm bezeichnen würde, aber es geht auch ganz ohne. Und wenn ich dann mal in meinem vermeidlichen zu Hause bin, verkrieche ich mich in den einzigen Raum, der mir bleibt. Alleine.
Ich will raus. Schaffe es aber nicht dagegen anzukämpfen, etwas zu ändern. Warte lieber darauf das etwas auf mich zugeflogen kommt und mich mitnimmt, raus aus dieser kleinen Stadt. Aber da kommt nichts. Woher soll man auch wissen, dass hier einer sitzt und wartet. Ich muss aufstehen. Initiative zeigen. Die Schritte eigenständig vorwärtsgehen. Aber dazu müsste ich mit vielen fremden Menschen reden, die bestimmt alle ganz lieb sind. Aber ich mag keine Produkt sein, dass sich präsentieren muss. Überzeugen muss, gekauft zu werden. Das man es als Accessoire in die Wohnung stellen kann. Ich möchte im hintersten Eck entdeckt werden, als besonderes Einzelstück. Das schon ein wenig verstaubt, lange auf jemanden wartet, der damit glücklich wird. Eben etwas Besonderes sein.
Soll ich nun wirklich zum Hörer greifen und mich bei beliebigen Wohngemeinschaften anmelden, um dann wenige Tage später vor der gesammelten Mannschaft, die auf dem Sofa mit Chips und Cola sitzend mich empfängt, antreten. Mein Programm abspielen und wenn ich nicht lustig genug bin, werde ich einfach weggezappt. Dann kommt das nächsten Programm und hat einen Versuch. Nein, dass kann und will ich nicht. Aber wann wird wer auf mich zukommen und mir ein Platz in seiner Wohnung anbieten? Höre mich schon um, bloß kenne ich so wenige Leute die dort schon wohnen, wo meine Gedanken längst sind. Komme einfach keine Schritte voran und das Schlimme: Ich bin selber daran schuld.
Ich will doch rein ins Leben. Rein nach München.