Öffne dich! Öffne dein Herz und deinen Kopf. Lass das alte fliegen und fühl dich leer um zu schweben, soweit du willst, in der leichten Frühlingssonne. Die Straßenzüge erstrahlen so freundlich, der Geruch von Frische vermischt sich mit den arabischen Gewürzen. Ein Zauber liegt in der Luft, den es gilt einzufangen. Dreh dich im Wind, um dich selbst herum. Lass die Beine baumeln. Unter dir das Leben, über dir die Freiheit.
So das Motto dieser sonnigen Tage. Die Stadt des Sommer bereitet sich auf die heißen Monate vor und zeigt sich schon jetzt von all den wunderbaren Seiten. Es glänzt und glitzert. Mit der rosaroten Brille rennt man umher um nur das wahr zunehmen, was das Glück in einem wecken lässt. Musik dringt aus den bassreichen Boxen die im Grünen stehen. Tanzend stehen Menschen im Tageslicht, mit Bier im Rauch. Immer im Rhythmus. Immer im Takt. Im Takt der Stadt, die aufblüht und ihre prachtvollen Farben überall zeigt.
Mit der U-Bahn in den nächsten Stadtteil surfen. Den Leuten entgegentanzen und ihnen ein freudiges Lächeln auf das Gesicht zeichnen. Alles draußen, alles im Schein der Sonne. Wenn ihr es nicht glaubt, ich zeige euch was ich meine. Hand in Hand – gemeinsam.
Ganz große Musik, die Jens Friebe da macht. Viel gibt es über ihn nicht zu erzählen. Er ist deutscher Musiker aus Berlin, der neben der seiner Musik für das Intro-Magazin schreibt. Vor kurzem ist sein viertes Album erschienen, dennoch hat sich sein Bekanntheitsstatus nicht großartig erweitert – er wird wohl immer der ewige Geheimtipp bleiben, wie er selbst sagt.
Ich möchte dir dienen und ich möchte dir Schnaps geben,
Nenn mich Lawinenhund ich suche Leben
Lawinenhund befindet sich auf dem Album In Hypnose aus dem Jahr 2005.
Erst wenn es dunkel wird, die Sonne ihr Licht verblassen lässt, kommt der eigentliche Glanz, die Schönheit der Stadt zum Vorschein. Es leuchtet bund, in allen Farben an der Spree. In Mitte laufen die letzten Menschen mit ihren Anzügen aus ihren Büros. Die Häuser bestrahlt mit gelb, blau oder rot und über den Dächern leuchtet und blinkt die Spitze des Fernsehturms.
Man sieht empor und weiß sofort. Man ist hier, hier in Berlin.
Nachts fängt das Leben erst richtig an, in einer Stadt die nie schläft. An der großen Straße, an ihrer großen Kreuzung warten die Menschen bei dem roten Ampellicht, bis das kleine Männchen grün leuchtet und es ihnen anzeigt, den Weg über die Straße zu beginnen. Nachts werden die Konturen der Stadt farblich noch mehr verstärkt. Es blüht aus jeder Leuchtdiode, aus jeder Glühbirne, aus jeder Leuchtschrift.
Auf einmal ist Schluss. Die Lichter aus. Die Sonne steht wieder am Himmel und die ersten Menschen in ihren Anzügen suchen ihre Arbeitsplätze auf, mit dem To-go-Kaffee in der rechten und dem Aktenkoffer in der linken Hand. Es ist so plötzlich Tag geworden, die Nacht war einfach zu kurz. Das Leben macht hier eben keine Pause.
Sind wir nicht alle Ausländer in Berlin: Torpedo Boyz.
Raus aus dem Viertel rein in den Kiez. Ein Monat Wohnungssuche und dann kann hoffentlich das alltägliche Leben los gehen, in der Hauptstadt. In Berlin.
Das war’s nun wohl mit uns. Mit unserer Beziehung. Meine Gewohnheit werde ich verlassen müssen. Die Umgebung, die mir vertraut vorkam, eine Stadt die ich liebe. München, wir werden uns in nächster Zeit nicht mehr so oft sehen. Keine Wochenendbeziehung führen, keinen Umzug ein paar wenige Kilometer weiter weg. Nein, ich werde dich richtig verlassen. Müssen und wollen.
Ich hatte es mir so ausgesucht. Nun verbringe ich die letzten Tage mit dir. Wir verbringen sie intensiv, insofern Zeit dafür ist. Du weißt, du bist eine tolle Stadt. Deine Ecken und Kanten weiß man zu schätzen. Die bayerische Verschlossenheit gegenüber Fremden, dein modischer Stil, der immer top gepflegt ist, aber nichts Außergewöhnliches zu bieten hat. Deine kleinen Cafés, die kleinen Kinos in denen ich mich gerne aufgehalten habe und nicht zu vergessen, die Grünflächen mit dem Eisbach im Englischen Garten oder den Nebelschwaden der Grillmeister am Flaucher. Deine kleinen und großen Feste wie zum Beispiel das Tollwood und die Wiesn. Das schicke Schwabing, das Glockenbachviertel, die Surfer am Haus der Kunst. Ja, dies alles und noch viel mehr wird mir fehlen. Du bist die Stadt in der ich mich zu Hause gefühlt habe. Wir kannten uns bis aufs kleinste Detail. Wir harmonisierten. Du und ich.
Jetzt muss ich losziehen. Mit einem neuen Ziel. Einer noch unbeschriebenen Zukunft. Eine neue, viel größere Stadt wartet auf mich. Kein Millionendorf, wie du es bist. Eine Stadt in der die Geschäfte auch mal nach 20 Uhr noch offen haben, eine Stadt in der man nicht schläft, eine Stadt die so ganz anders ist wie du.
Ich werde dich nicht vergessen. Ich werde dich wieder aufsuchen, wenn ich Geborgenheit brauche. Ich werde dich vermissen, das kann ich dir jetzt schon versichern. München, du bist toll!