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Komm mit und spür den Wind. Wir kommen an. Irgendwann.

27. Oktober 2011

Gute Nacht, meine Schönheit.

Herbstblatt

Es ist schon dunkel geworden. Die Nacht ist in die engsten Winkel und kleinsten Ecken der Stadt vorgedrungen. Sie streut, über all die Leut, ihren Schlaf. Sternenlichter werden nach und nach ausgeknipst. Die Liebe ist müde. Langsam, ganz still und unbemerkt, schließt sie ihre großen Augen, die schon so viel gesehen haben. Ich wende mich ab. Der nächste Morgen ist nur noch ein paar wenige Atemzüge entfernt. Ich lege mich hin und versuche zu schlafen, träumend von dem Glück, dass mich in seinen umschließenden Armen empfängt.

Der Nebel schleicht durch die engen Straßen. Ganz dunkel noch, ist der frühe Morgen. Ich suche die Schönheit durch die verschwommene und undurchdringliche Luft, werde jedoch im Vertrauten ebenso im Unbekannten nicht fündig. Wo hast du dich versteckt? Verreist ins weite Land, geflohen von der doch so oft aufgesuchten Hässlichkeit?

Die grellen Lichter der Fahrräder blenden und machen mich blind. Schwer und kämpferisch boxe ich mich durch die dicken Nebelschicht. Man begegnet einer Zivilisation, die fast ausgestorben ist – man ist allein, mit sich und seiner Umwelt, der stinkenden Stadt. Die nassen und braun verfärbten Blätter liegen tot auf dem schmutzigen Boden, zertreten und unbeachtet von der Masse.

27. März 2011

Der Nächste, bitte.

Toilette

Es gibt Tage, die kann man sich nicht vorstellen, da sie einen überraschen, einem plötzlich um den Hals fallen. Man freut sich über so viel Unerwartetes. Diese Spontanität, die sich daraus ergibt, lässt einen das Leben so leicht erscheinen. Aber es gibt auch Tage, die man sich nicht vorstellen kann, weil man sie sich nicht vorstellen will. Sie wirken unreell. Haben keinen Platz in den Gedankensträngen des Gehirns.

Was macht man, wenn man plötzlich Dinge sieht, die man nicht sehen möchte? Was macht man, wenn man plötzlich Dinge macht, die man zuvor nie gemacht hat? Man muss ebenso spontan und gelassen reagieren, wie auch an den Tagen, die einen unerwartet Freude bereiten. Konzentration und Ruhe sind Macht in Situationen, die man nicht kennt. Dinge gehen kaputt, zerbrechen und scheinen, als würden sie nicht mehr zusammen passen. Ewig hat es gehalten, wurde Jahre über benutzt und war stets ein treuer Diener. Nur jetzt, ein Schaden – aus. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zu letzt. Es wird gearbeitet, zusammen geschraubt, geklebt, bis alles wieder da sitzt wo es einmal seinen Platz hatte. In Erinnerung bleiben die Gedanken, werden aber zunehmend blasser mit der Zeit. Der Funken ist nun wieder zu einem großen Feuer übergegangen. Es ist heiß und ständig in Bewegung.

Zum Schluss ist es sowieso der Wein und das Süße, das einen beruhigt. Egal, was für einer diesen beiden Tage stattgefunden hat. Das Ergebnis ist immer das gleiche: Das Leben geht weiter, mit all seinen schönen und schlechten Eigenschaften.

22. Februar 2011

All around the world.

Universum

Mit Kosmonauten ging es in die Nasszelle, die versuchten dort das Leben auf der Mir nachzuspielen. Es war das erste mal, dass sie dort oben, weit ab der Familie und Freunde waren. Ein ungewohntes, gar beharrendes Gefühl, was diese Menschen bedrückte. Sie hätten sich fast gewünscht wieder auf der blauen Erde zu sein, die sie von dort oben als kleinen Planeten wahrnahmen. Doch sie wollten unbedingt weg, hatten es sich so sehr gewünscht eines Tages von dort oben herabblicken zu können. Jetzt haben sie ihren jahrelangen Wunsch erfüllt und sind unglücklich darüber. Sie fragen sich, wieso man sich immer nur das wünscht, was man selber nicht hat und nicht glücklich darüber ist, über Dinge die man zu seinem Besitz zählen kann.

Ist das Glück der Menschen vielleicht vielmehr in den kleinen Dinge versteckt, die aber nicht gesehen werden, weil wir planen. Immer nur planen. Das Glück planen wollen – nur großes Glück sehen. Sollten wir uns nicht fallen lassen können, wie es die Kosmonauten im All machen können. Fallen lassen ohne Sorgen. Fallen lassen ohne sich Gedanken über mögliche Geschehnisse zu machen. Das ist allerdings für den Menschen auf der Erde, der sich immer nur mehr und mehr in seinem Leben einsperrt, gar keine Perspektive.

Wer das kleine nicht schätzt ist das große Glück nicht wert. Wir sollten uns alle wieder zurück an die Kindheit erinnern. Als der eigene Vorstellungshorizont viel weiter ging als er jetzt zu reichen scheint. Was konnten wir uns nicht alles vorstellen. Machten aus Teppichen ganze Landschaftszüge, aus Stöcken Menschen oder bauten im Sand unsere ganze Welt zusammen. Vielleicht können wir aus einer Nasszelle kein Weltall machen, aber vielleicht schaffen wir es das kleine zu sehen, unsere Kreativität sprießen zu lassen und glücklich über so viele neue Ideen zu werden.

21. November 2010

Sonntagstod.

Stopp

Die Welt ist sill, sie dreht sich nicht. Der Sonntag ist der Tod unter den Tagen.

Diese gedankenleeren Sonntage bringen einen fast um. Gedankenleer auch nur deswegen, weil man nichts zur Ablenkung hat, der Kopf leer und gedankenlos ist. Bis man dann anfängt, sich Gedanken über alles zu machen. Erst über den Tag, dann über die nächste Woche und am Ende über das ganze Leben.

Immer weiter rein rutscht man – kommt gar nicht mehr los. Jede kleinste Abzweigung durchdenkt man. Kommt auf die kleinsten Dinge, die einen beschäftigen und noch ungelöst im Raum stehen. Sonntage sind dafür eben da, wann sonst hat man so viel ungenutzte Zeit übrig?

Im Hintergrund hört man Chris Martins Stimme, der einem den Soundtrack des Lebens vorsingt.

19. März 2010

Zeitlos leben.

Zeitlos

Für was ist eigentlich Zeit da? Das sie einen stresst, das sie einen warten lässt? Früher gab es sie auch nicht. Zumindest nicht so, wie es sie heute gibt, also ohne Uhr und Terminplaner. Sollten wir uns generell nicht so fest an etwas binden, das uns vorgeben wird? Ist es nicht besser, ohne zeitliche Gedanken in den Tag hinein zu leben. Ohne Stress und ohne warten.

Vorfreude ist auch so einer dieser zeitlich begrenzten Räume. Sie soll angeblich die schönste Freude sein. Stimmt. Fast. Was ist wenn aus der Vorfreude nicht mehr als nichts wird? Man ist enttäuscht. Also freut man sich das nächste Mal erst gar nicht mehr, bleibt skeptisch ob das Vorhaben Bestand hält. Vielleicht wird am Ende doch wieder alles abgeblasen und dann? Nichts ist dann. Man muss umplanen. Erneut enttäuscht sein. Unglücklich.

So ist wohl das Leben. Man lernt aus seinen Erfahrungen und das stimmt wohl wirklich immer. Aber jetzt hängt doch bitte die Uhr ab – ich möchte ein Leben ohne Zeit. Ungebunden sein. Frei!

4. März 2010

Zu Besuch bei den Affen.

Entengeschnatter

Heute ging es in den Zoo. Weit weg von hier. Mein Auto begleitete mich auf dem Weg dort hin. Ich fuhr über Wiesen und Felder, die Luft kroch tief in meine Nase und stank nach Land. Vor mir die freie Straße. Die Songs von Mando Diao erklangen im Shuffle-Modus aus dem knatternden Autoradio. Qualität ist was anderes und wird hier auch schon lange nicht mehr gesucht.

Die Sonne blendet durch die hauchdünnen und buttermilchtrüben Wolken meine Augen. Es ertönt Amsterdam ich werde melancholisch und denke an meinen letzten Urlaub. Die Fahrt geht weiter. Immerhin sind es 80 ungenutzte Minuten. Vor dem Zoo sind alle Parkplätze besetzt, wodurch zu meinen bereits 15 Minuten Verspätung noch einmal zehn Minuten dazukamen.

Zuerst ging es in den Steichelzoo. Es lief sehr harmlos ab. Als man mich fragte, öffnete ich meinen Mund und sagte energisch Bund. Dann Pause. Ich las. Die Wartezeiten von einem Gehege in das Nächste war sowieso das Zeitaufwendigste. Weiter ging es mit dem Eignungstest – man will ja wissen, ob ich schlauer als diese Affen bin. War ich wohl leider nicht. Zumindest stellte ich mich nicht besonders an. Denken für die? Nicht mit mir.

Warten. Ich las. Dann kam auch schon die Ärztin und wollte so einiges Wissen. Zum Schluss krächzte und keuchte ich noch – dann ging es mir wieder besser. Abschließendes Ergebnis: Die Affen wissen nicht, ob sie mich brauche oder nicht. Endgültige Entscheidung gibt es in ein paar Wochen.

Auf dem Parkplatz vor dem Zoo entdeckte ich einen Bereich Nur für Angestellte und vor jedem Parkbereich war ein weiteres Schild angebracht auf dem ein Rollstuhlfahrer zu sehen war. Ich grinste. Dachte mir, da bist du wohl doch falsch und fuhr wieder heimwärts. Was habe ich gelernt: Auch wenn man auf der Landstraße mit 120 km/h unterwegs ist gibt es Leute, die einen überholen. Was nahm mir der Tag: Mein Buch.

Jetzt bin ich wieder raus aus diesem Zoo. Aus diesem Gedankenzoo. Für immer.

Liebesbeweis

Es gibt Erlebnisse, die man sich zu gerne ins wahre Leben wünscht. Allerdings sind das Träume. Träume, die nach einer Nacht beendet sind. Womöglich am nächsten Morgen gar nicht mehr abzurufen sind. Etwas, was unerbittlich nachlässt, wie Wasser in der zu einer Mulde geformten Hand. Man kann es nicht aufhalten. Will man es fester halten, neu anpacken, ist es sofort weg. Presst man die Hände zusammen, lässt irgendwann die Kraft nach und die Löcher werden wieder größer und Stück für Stück verschwindet es. Unaufhaltsam.

Aber es gibt Träume, die mehr als das sind. Sie spielen sich in der Realität ab. Es sind diese Momente, in denen man nicht mehr glücklicher sein kann. Sollte die Welt so dünn sein wie ein Mensch – man würde sie umarmen, sie drücken so fest man könnte. Es sind diese Momente die man nicht mehr loslassen will, an die man noch lange denkt. Momente, die in Erinnerung bleiben.

Das Wetter ist schlecht. Die Laune am Boden, man ist selber zu schwach, sie aufzuheben. Man wacht auf und will eigentlich weiterschlafen, so schwer sind die Augen – so kraftlos die Muskeln, die dafür vorgesehen sind, die Lider hochzuhalten. Aber schafft man es nun doch seinen eignen Theatervorhang aufzubekommen, reicht ein kurzer Blick um sich herum. Man sieht. Man fühlt. Man ist glücklich. Niemand kann einen diesen Moment nehmen. Es liegt nicht am Wetter, nicht an der Laune, sondern an der Nähe, die man spürt, die man fühlt.

Kann Perfektion perfekt sein?

Oder ist das alles doch nur ein Traum? Ein Traum, denn man sein halbes Leben lebt. Der Kopf sagt einem, es kann doch nicht so perfekt sein. Das Herz sagt: Doch. Aber wer hat denn nun Recht? Wacht man irgendwann auf und ist enttäuscht, dass es doch wieder nur ein Traum von kurzer Bedeutung ist, der unaufhaltsam verschwindet? Oder ist dieser Surrealismus doch Realität?

Vielleicht sollte man sich auch nicht all zu viele Gedanken darüber machen und einfach glücklich leben. Perfekt glücklich. Aber es liegt nun eben in meiner Natur, mir zu viele Gedanken zu machen. Einfach weiter träumen. Träumen von der perfekten Perfektion. Und bitte nicht wecken. Danke.

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