Mit Kosmonauten ging es in die Nasszelle, die versuchten dort das Leben auf der Mir nachzuspielen. Es war das erste mal, dass sie dort oben, weit ab der Familie und Freunde waren. Ein ungewohntes, gar beharrendes Gefühl, was diese Menschen bedrückte. Sie hätten sich fast gewünscht wieder auf der blauen Erde zu sein, die sie von dort oben als kleinen Planeten wahrnahmen. Doch sie wollten unbedingt weg, hatten es sich so sehr gewünscht eines Tages von dort oben herabblicken zu können. Jetzt haben sie ihren jahrelangen Wunsch erfüllt und sind unglücklich darüber. Sie fragen sich, wieso man sich immer nur das wünscht, was man selber nicht hat und nicht glücklich darüber ist, über Dinge die man zu seinem Besitz zählen kann.
Ist das Glück der Menschen vielleicht vielmehr in den kleinen Dinge versteckt, die aber nicht gesehen werden, weil wir planen. Immer nur planen. Das Glück planen wollen – nur großes Glück sehen. Sollten wir uns nicht fallen lassen können, wie es die Kosmonauten im All machen können. Fallen lassen ohne Sorgen. Fallen lassen ohne sich Gedanken über mögliche Geschehnisse zu machen. Das ist allerdings für den Menschen auf der Erde, der sich immer nur mehr und mehr in seinem Leben einsperrt, gar keine Perspektive.
Wer das kleine nicht schätzt ist das große Glück nicht wert. Wir sollten uns alle wieder zurück an die Kindheit erinnern. Als der eigene Vorstellungshorizont viel weiter ging als er jetzt zu reichen scheint. Was konnten wir uns nicht alles vorstellen. Machten aus Teppichen ganze Landschaftszüge, aus Stöcken Menschen oder bauten im Sand unsere ganze Welt zusammen. Vielleicht können wir aus einer Nasszelle kein Weltall machen, aber vielleicht schaffen wir es das kleine zu sehen, unsere Kreativität sprießen zu lassen und glücklich über so viele neue Ideen zu werden.
Vermutlich habe ich mich noch in meinem ganzen Leben so sehr auf den Frühling, ja auf den Sommer gefreut, wie in dieses Jahr. Es ist die Luft, die mitten durch den Körper strömt. Hin zum Herzen und wieder hinaus. Sie reinigt den Körper von den dunklen Winterdepressionen, schafft Platz für Neues. Für Frisches.
Bewusst wählt man den längeren Weg, durch die nach Frühling duftenden Straßen der Stadt. Man lässt den leichten Wind durch die Haare wehen und freut sich über die Prise, die das Gesicht streift. Die Kleidung wird leichter und man kann es kaum glauben, dass Schal und dicke Wintermändel zu Hause bleiben können. Man vermisst sie nicht.
Die Mittagspause verbringt man wieder im Freien und freut sich über jeden Sonnenstrahl, der einem das Gesicht erwärmt. Angestoßen wird mit einem Piccolo Sekt und innerlich ist man gespannt auf das Neue, was einem dieser Sommer nun bringt.
Unglaublich auch, wie glücklich einen das Wetter machen kann. Es sind doch nur die Wolken die verschwinden um die Sonne auf die Erde scheinen zu lassen. Sie zu erwärmen. Aber dabei ändert sich noch so viel mehr. Stühle und Tische werden auf die breiten Gehwege gerückt, die ersten genießen ihren Smoothie unter freiem Himmel und auch die Parks werden voller. Es zieht einen richtig raus in die Natur ohne das man sich währen kann. Und da vorne wartet auf einen schon das große Neue, was einem diesen Sommer erwartet. Es ist das Glück.
Es gibt Tage, Wochen, nein auch Monate in denen man umherirrt irgendwo und doch nicht dort wo man sucht. Man sieht aber findet nicht. Es ist verrückt, steinig, spannend und doch erfüllt es einen nicht. Es lässt einen gehen. Alleine. Gedankenvollgestopft geht man Schritt für Schritt. Immer weiter nach vorne, auf der Suche nach etwas neuem. Etwas unbekannten. Man entdeckt aber findet nicht.
Irgendwann passiert es dann doch. Man ist mitten drin. Mitten in dieser Verbundenheit, die einen so viel Kraft verleiht. Ist es dieser Herbst? Dieser fast noch zu warme Winter, der zum Frühling geworden ist? Man lacht und marschiert fröhlich durch die Straßen, obwohl über einem düster und kalt die nassen Wolken hängen und darauf warten, bis der nächste Windstoß sie weiterschiebt. Vollgefüllt, bis sie irgendwann platzen und ihren gesamten Inhalt über einen ergießen.
Man wird nass. Der Kopf spielt verrückt. Er malt sich aus, was er sich nicht ausmalen sollte. Es entsteht ein Kunstwerk, aber kaum weicht ein Gedanke ab, wird es ganz düster – viele dunkle Farben breitet sich auf der Leinwand aus. Es ist vermutlich unbegründet, aber diese Angst wird wohl nicht so leicht aus dem Kopf herausgezogen werden können. Aber es passiert, dass Sekunden später auf dem Bild viele bunte Farbkleckse erstrahlen, und alles andere schon wieder vergessen ist.
Man haftet mit den Gedanken an den letzten, gemeinsamen verbrachten Stunden. An die Zeit die man schon nach dem Umdrehen vermisst und man ist wieder gedankenvollgestopft. Will sehen. Will spüren. Aber man weiß, man hat gefunden was man gesucht hat. Man denkt, man grinst und alle fragen.
Etwas wichtiges, das plötzlich in das suchende Leben getreten ist. In den Alltag gestolpert ist, die Tür ohne zu klopfen geöffnet hat. Man wurde aus dem verstaubten Sessel gezogen, um die Welt neu gezeigt zu bekommen. Eine Welt ohne Ende. Ein Horizont, der nie näher kommt. Wir laufen zusammen. Zusammen weiter in Richtung Glück. Die Sonne über uns, in Gedanken.
Lange habe ich mich versteckt. Jetzt bin ich zurück. Wieder aus meinem Loch der Internet-Abwesenheit gekrochen. Ich habe viel erlebt in letzter Zeit. Dort unten, tief im Leben. Dort wo ganz und gar nicht die Dunkelheit herrscht. Es ist hell und es wird viel Freude verbreitet. Ich durfte viele Leute treffen, die alle sehr lieb sind und hatte wunderschöne Tage mit ihnen verbracht. Es war was los, in meinem Leben. Mehr als sonst. Wer hätte schon gedacht, dass ich mal keine Zeit habe, nicht einen einzigen Eintrag zu verfassen. Selbst mein Zuhause hat mich kaum gesehen. Es war entspannend mal nur wenige Stunden in den alten und schon längst bekannten Räumen zu verbringen. Das Neue ist doch immer spannender. Es kommen neue Abenteuer auf einen zu und das ist auch gut. So trocknet das Leben nicht aus und man geht selber nicht ein, wie eine Blume ohne Wasser.
Was gab es alles zu entdecken in den letzten Wochen? Einiges. Größere Events und viele Kleine, die genauso beachtet werden wollen und müssen. Zu den Größeren wird es noch extra Einträge geben. Die anderen gab es immer dazwischen, diese einzigartigen Tage mit so wundervollen Menschen. Es tut einfach gut, neue Freunde kennenzulernen und Abstand von dem Alten und Vergesslichen zu bekommen – hinein in eine andere und neue Welt zu kommen. Dort wo man glücklich sein kann, ohne sich jegliche Gedanken zu machen. Die Angst bleibt trotzdem das neue Glück schnell wieder zu verlieren. Ich halte es fest im Griff, aber hält es mich genauso gut in der Hand? Ich hoffe es, aber wer weiß das schon? Nach dem Glücklich sein kommt nur all zu oft wieder die traurige Seite des Lebens aus dem Boden gekrochen und überfällt einen von hinten, dass man gar keine Chance mehr hat einzugreifen. Man ist machtlos und muss mit ansehen, wie es einen erdrückt. Bis man wieder so stark ist, mit aller Anstrengung aufzustehen und die schwere Last vom Rücken zu schmeißen.
Auch hier, in diesem Blog hat sich etwas geregt. Vielleicht wurde auch schon der letzte Eintrag vermisst, der eigentlich am Montag erschienen hätte sollen. Aber es gibt Änderungen: Der Song of the Week ist Geschichte. Das habe ich beschlossen. Eigentlich wollte ich ihn mit einem letzten Eintrag ins Grab tragen, aber selbst dazu gab es keine Zeit mehr. Er zwang mich einfach zu sehr. Wöchentlich feste Einträge sind einfach nichts für mein Gemüt – da fehlt mir der Freiraum. Allerdings werde ich auch weiterhin Künstler bzw. deren Alben vorstellen. Aber eben nicht mehr zu fest vorgegebenen Terminen. Ganz musiklos wird dieses Blog also nicht werden. Es wird weiterhin in immer anderen Tönen erklingen. Mal ein Gitarrenriff hier und ein Schlagzeugsolo dort. Wir werden tanzen. Zusammen oder alleine.