Wo ist die Brille die mir hinter ihren kitschig bunten Gläsern eine heile, überprächtige Welt vorspielt. Ich hab verloren, was ich ewig suchte. Jetzt fehlen mir die Farben, alles erscheint Grau und schlicht. Es scheint, als würde alles angehalten werden, keine Bewegung der Äste, keine Flügelschläge der Vögel, kein herabsegelndes Blatt mehr. Nichts. Wo befindet sich der Kopf all diesen Kreaturen, diesen empfindlichen Organismen wieder das gewünschte Leben einzuhauchen? Ich will ihn drücken. Jetzt. Sofort.
Den Pinsel nehme ich in die Hand. Bemale großflächig alles in den schönsten Farben, die in meiner Vorstellungskraft liegen, an. Den Details widme ich mich akkurater Genauigkeit, um alles real wirken und erscheinen zu lassen. Man soll denken, dass es ist die Realität ist, doch das wird sie nicht sein, trotz der verblüffenden Ähnlichkeit. Aber es reicht, wenn wenigstens der Glaube da ist, der einem etwas vortäuscht.
Das Knistern des Feuer will ich spüren, in der kalten Jahreszeit. Das Unbekannte erforschen, wie es einst die Menschen lange vor unserer Zeit getan haben. Angst haben und zugleich die Euphorie spüren. Doch ist es das wert? Die kurze Zeit der Ungezügeltheit mit der langen Zeit des Vertrauten einzutauschen? Ist der Jähzorn nur seiner selbst oder entwickelt er sich in etwas Längeres, etwas Unaufhaltbares? Diese Fragen müssen geklärt werden, um sich dann vor lauter Erschöpfung, auf das weiche Kissen zurück fallen zu lassen. In Zeitlupe stürze ich ungebremst nach hinten, ohne zu wissen was mich aufhält, wie tief ich falle, bis ich in die Federn der Schwerelosigkeit gleite und mit ihnen mitfliege, in die Vorstellung des realen Traums. Im Rausch der Transzendenz male ich die schönsten Bilder bunt.
Nun ist es schon über eine Woche her, dass ich aus Amsterdam zurück bin. Eine Stadt, die wirklich sehr schön ist, mir aber auch sehr düster herüberkam. Das lag wohl allerdings eher daran, dass es Februar war und die Sonne nur an zwei Tagen für kurze Zeit erschien. Die restlichen Tage war es bewölkt oder es schneite – bei dem Besuch des Meeres sogar in unglaublich dicken Flocken.
Um die Stimmung der Stadt auch auf den Bildern wiederzugeben, zwang es mich dazu sie farblich ein wenig anzupassen. So ist eine Fotoserie entstanden, deren Bilder ein wenig bräunlich, gar alt aussehen. Zu sehen sind Bilder aus Amsterdam, Haarlem und Zandvoort.







Mehr Bilder gibt es auf meinem flickr-Photostream.
Der Winter zeigt sich noch einmal von seiner kalten Schulter. Fest drückt er diese auf uns, den eisigen Temperaturen unfliehbar. Aber der neue Schnee auf Straßen, Wegen und Feldern lässt das innere Herz tanzen – ein kleiner, warmer Fleck im Körper.
Schwer und nass legt sich der graue Schleier über die Stadt. Die Sicht ist trüb, lässt in der Ferne nur ein kleines, knallig und bundes Licht erkennen. Es blingt an einem Kiosk. Open will es alle paar Sekunden mitteilen, bevor es dann wieder erlischt. Zu anstrengend, bei diesen Temperaturen dauerhaft zu leuchten. Die Aufmerksamkeit würde schwinden. Es ist einer dieser Morgende, wie es sie zu Hauft gibt. Grau um uns herum. Die Menschen müde und träge in diesen frühen Stunden. Die Augen blicken nach unten, auf den kalten und dreckigen Boden.
With scarves of red tied ’round their throats
to keep their little heads
from fallin’ in the snow
Wir packen uns weiter in dicke Wolle ein und frieren, auf Sonne wartend. Die Nase rot und unterkühlt. Um einen herum nichts als Stille. Die Augen nur einen kleinen Spalt geöffnet, gerade ausreichend für das Finden des Weges.
Komm, komm lass uns weiter diese Kühle und doch angenehme Stille genießen. Im Sommer tobt hier das Leben. Es hat gerade noch geschlossen. Schwach, nur wenn man genau hinsieht, kann man es erkennen. Den Lichtschriftzug des Sommers: Open der noch aus ist, nicht leuchtet, gar blinkt. Im Sommer wird er in den buntesten Farben erstrahlen, die es je gegeben hat und doch kaum auffallend, da sich um das Schild herum auch das Grau in die schönsten Farben verwandelt hat. Trotzdem, die Winterpause darf nun auch gerne wieder weiterziehen.
Es gibt Tage, Wochen, nein auch Monate in denen man umherirrt irgendwo und doch nicht dort wo man sucht. Man sieht aber findet nicht. Es ist verrückt, steinig, spannend und doch erfüllt es einen nicht. Es lässt einen gehen. Alleine. Gedankenvollgestopft geht man Schritt für Schritt. Immer weiter nach vorne, auf der Suche nach etwas neuem. Etwas unbekannten. Man entdeckt aber findet nicht.
Irgendwann passiert es dann doch. Man ist mitten drin. Mitten in dieser Verbundenheit, die einen so viel Kraft verleiht. Ist es dieser Herbst? Dieser fast noch zu warme Winter, der zum Frühling geworden ist? Man lacht und marschiert fröhlich durch die Straßen, obwohl über einem düster und kalt die nassen Wolken hängen und darauf warten, bis der nächste Windstoß sie weiterschiebt. Vollgefüllt, bis sie irgendwann platzen und ihren gesamten Inhalt über einen ergießen.
Man wird nass. Der Kopf spielt verrückt. Er malt sich aus, was er sich nicht ausmalen sollte. Es entsteht ein Kunstwerk, aber kaum weicht ein Gedanke ab, wird es ganz düster – viele dunkle Farben breitet sich auf der Leinwand aus. Es ist vermutlich unbegründet, aber diese Angst wird wohl nicht so leicht aus dem Kopf herausgezogen werden können. Aber es passiert, dass Sekunden später auf dem Bild viele bunte Farbkleckse erstrahlen, und alles andere schon wieder vergessen ist.
Man haftet mit den Gedanken an den letzten, gemeinsamen verbrachten Stunden. An die Zeit die man schon nach dem Umdrehen vermisst und man ist wieder gedankenvollgestopft. Will sehen. Will spüren. Aber man weiß, man hat gefunden was man gesucht hat. Man denkt, man grinst und alle fragen.
Etwas wichtiges, das plötzlich in das suchende Leben getreten ist. In den Alltag gestolpert ist, die Tür ohne zu klopfen geöffnet hat. Man wurde aus dem verstaubten Sessel gezogen, um die Welt neu gezeigt zu bekommen. Eine Welt ohne Ende. Ein Horizont, der nie näher kommt. Wir laufen zusammen. Zusammen weiter in Richtung Glück. Die Sonne über uns, in Gedanken.
Die Kategorie, die ich auf Twitter begonnen habe, wird ab sofort hier jeden Montag erscheinen. Ausführlicher als es beim Microblogging überhaupt möglich war. Es wird sich hier meist um aktuelle Songs von eher noch unbekannteren Bands handeln, die es verdient haben mehr gehört zu werden. Musikalisch gesehen bewegt sich das Genre irgendwo zwischen Alternative, Independent, Rock und auch Elektronik. Für alle, die diesen Musikbereich nicht kennen: Es ist nie zu spät gute Musik zu hören.
Vor kurzem bin ich auf eine sehr tolle Band gestoßen, die sich zwischen Elektronik und Indie aufhält. Sie nennen sich Chew Lips. Eine noch sehr junge Band, die aus dem Süden von London kommt und sich dort im März 2008 gegründet hat. Das Londoner Trio besteht aus Sängerin Tigs und den Multiinstrumentalisten Will Sanderson und James Watkins. Karen O (Yeah Yeah Yeahs) und Beth Ditto (Gossip) sind begeistert, sie finden Tigs’s Stimme gefühlvoll und ausdrucksstark, dabei aber nicht zu aufdringlich.
We don’t wanna wait, there’s no time no time.
Ihren ersten Song “Solo”, beschreibt New Musical Express als “eine der fantastischsten Singles des Jahres”. Sie ist am 23. März bei Kitsune erschienen, bei denen auch Digitalism und Cazals unter Vertrag stehen. Der Song gilt als perfektes Beispiel für die Richtung, in die es die Band zieht.
Auch wenn das Video nicht in die aktuelle Jahrezeit passt, hat es dennoch was. Etwas besonderes. Etwas leicht. Ein Gefühl vom Frei sein. Wie Tigs dort im Schnee herumhüpft. In diesem verlassenen Freizeitpark von einem Fahrgeschäft zum nächsten.